Öffentliche Ordner - Replikation

Ich habe schon mehrfach von der Replikation gesprochen.

Achtung Änderungen mit Exchange 2010 SP1
Public Folder Replication Changes in Exchange 2010 Sp1
http://blogs.technet.com/b/exchange/archive/2010/09/16/3411064.aspx

Das müssen Sie dazu wissen:

Beachten sie, dass das Exchange Verzeichnis immer die Information über alle Ordner an allen Standorten hält. Aber wenn ein Ordner in der Hierarchie sichtbar ist, bedeutet dies noch lange nicht, dass es auch eine Instanz auf ihrem Server gibt ist.

Replikation innerhalb der Organisation

Der Administrator über den Ordner kann mit dem Programm Exchange Administrator je Ordner einstellen, auf welchen Server eine Kopie davon liegt.

Es gibt bei Exchange 5. noch einen zweiten Weg der über die Instanzen des Ordnerspeichers führt. Hier können Sie sich dann auch einen Ordner "heranziehen", der z.B. keinen Homeserver mehr hat.

Der Administrator des Zielservers kann sich demnach erst mal nicht dagegen wehren, auf seinem Server Platz für Ordner bereitzustellen. Danach werden alle Inhalte des Ordners auf alle anderen Instanzen verteilt. Alle Ordner sind entsprechend der Rechte der Anwender beschreibbar und replizieren sich bidirektional. Sollte es zu Konflikten bei der Replikation kommen, wird der Ordnerbesitzer mit einer Mail darauf hingewiesen, und muss manuell den Konflikt lösen.

In der Ansicht der Replikate finden Sie sehr einfach,  wie viele Server eine Kopie des fraglichen Ordner behalten.

Über die Ansicht der Replikate können Sie pro Server sehr einfach erkennen, welche Ordner auf diesem Server noch Inhalte haben. Ehe Sie einen Server abschalten, sollte diese Ansicht keine wichtigen Ordner mehr anzeigen.

Ansonsten könnte es sein, dass Sie einen Server entfernen und dabei Daten verlieren. Dies ist besonders ärgerlich, wenn Systemordner (Offline Addressbuch, Free/Busy-Zeiten etc.) betroffen sind.

Replikationszeitplan

Alle Replikationsnachrichten sind auch nichts anderes als Emails zwischen den Servern. Sie werden daher über die ganz normalen Mechanismen und Steuerungen der übrigen Nachrichten geleitet. Zeit und Größenbeschränkungen auf den Connectoren gelten daher auch für diese Nachrichten. Weiterhin können Sie je Ordner als auch global für den Informationsspeicher auf dem Server einen Zeitplan einstellen, wann der Speiche nach Änderungen sucht und diese dann bereitstellt. Es gilt daher etwas Feingefühl zu entwickeln, was die Zeitpläne betrifft. Nicht zu unterschätzen ist dabei auch das Verkehrsaufkommen. Eine Replikation ist schnell eingerichtet und gerne genutzt, aber sehr stark veränderliche Ordner  mit großen Inhalten bringen Verkehr. Kontrolle und Planung sollte hier vor der Realisierung stehen.

Troubleshooting mit Exchange 2003

Mit Exchange 2000/2003 wurden die Replikationen von Exchange weiter optimiert, so dass sehr viel weniger Replikationsnachrichten übertragen werden.  Exchange 5.5 hat z.B.: bei jedem Start des Store eine Statusmeldung versendet. Aber wichtiger sind die Verbesserungen in der GUI um den Status der Replikation zu kontrollieren und bei Bedarf sogar manuell anzustoßen. Diese Funktionen sind leider erst ab Exchange 2003 verfügbar! Im Exchange System Manager gibt es an mehreren Stellen die Möglichkeit, die Replikation zu beschleunigen.

Aber bei all den Funktionen, eine Replikation manuell zu beschleunigen muss immer wieder davor gewarnt werden, damit einen Fehler zu verbergen. Die Replikation von Exchange hat eine sehr solide Funktion und ist sehr Ausfallsicher. Immer wenn ein neues Element in einen Ordner kommt, wird eine Replikationsnachricht an alle anderen Replikate gesendet. Spätestens dann erkennt die Gegenstelle, dass vielleicht eine Meldung verloren gegangen ist und die Daten werden wieder angefordert. Das einzig wirkliche Problem der Replikation sind massenhaft nicht zugestellte Nachrichten. Und das ist eher ein Hinweis auf falsche Connectoren, fehlerhafte AD-Replikation in Zusammenhang mit dem RUS und dem ADC.

Replikation und Datenmengen

Die Replikation von Inhalten erfolge per Mail und bedeutet damit eine Belastung für das System. Wenige Replikate sind besser, es sei denn die Anwender müssten dann über langsame WAN-Leitungen auf einen entfernten Server zugreifen.

Angenommen ein  öffentlicher Ordner ist auf zwei Server repliziert und auf einem Server werden 100 MByte Inhalte eingestellt oder geändert. Dann passiert folgendes (vereinfacht):

Wenn Sie also größere Migrationen planen, dann sollten Sie ihre freie Festplattenkapazität überwachen, ab und an ein Backup dazwischen einlegen oder ausnahmsweise die Umlaufprotokollierung aktivieren.

InDepth Infos zur Replikation

Normalerweise funktioniert die Replikation der öffentlichen Ordner problemlos. Solange Sie zwischen Server EMails austauschen können und der RUS funktioniert, werden auch die Ordner in einiger Zeit "in sync" sein. Aber manchmal klappt es doch nicht, wenn z.B. Mails nicht ankommen oder unerkannt verloren gehen. Mitarbeiter informieren Sie darüber, aber die Server eher nicht.

Mit Exchange 5.5 war das Problem weniger auffällig, da Exchange 5.x einmal am Tag  eine "Statusmeldung" der Hierarchie versendet hat. Damit sind verlorene Replikationsnachrichten sehr schnell aufgefallen und über einen so genannten Backfill Request wieder aufgefüllt worden. Diese Mails kosten aber auch Zeit und Geld. Daher sendet Exchange 2000/2003 diese Meldungen nicht  mehr täglich. Verlorene Replikationsmails fallen daher erst auf, wenn die nächste Mail eine zu hohe Sequence Nummer hat und dadurch der Store erkennt, dass Mails fehlen, die er nachfordern muss. Aber da dauert und Zeit ist bekanntlich knapp, wenn die Anwender sich beschweren. Daher kann der Administrator diese Verhalten ändern.

Alle Einstellungen erfolgen mit REGEDIT auf dem Server:

HKEY_LOCAL_MACHINE\SYSTEM\CurrentControlSet\Services\MsExchangeIS\
<ServerName>\Public-(guid)

Unter diesem Schlüssel können mehrere Werte gesetzt werden:

Nach dem Ändern der Einstellungen ist ein Neustart des Store erforderlich

Weiterführende Informationen finden sie in der TechNet unter:

Replikation zwischen Organisationen

Nun kommt aber der Moment, an dem zwei Exchange Organisationen sich Informationen austauschen wollen. Aber unterschiedliche Organisationen sind in Exchange erst mal nicht zusammen zu bekommen.  

Aber auch für diesen Fall gibt es von Microsoft ein Tool für die Replikation öffentlicher Ordner zwischen Organisationen. Es besteht aus zwei Anwendungen, einer Anwendung zum Konfigurieren der Replikation (Exscfg.exe) und einer zur Verwendung mit Exchange (Exssrv.exe). Diese Tools werden auf der Microsoft Exchange 2000 Server-CD im Verzeichnis /support/Exchsync bereitgestellt. Sie sind auch für Exchange 5.5. zu erhalten. Weitere Infos siehe IOREPL - InterOrg Replication Tool

Die beiden Anwendungen, aus denen das Tool für die Replikation Öffentlicher Ordner zwischen Organisationen besteht, funktionieren nur für die Standardstruktur Öffentlicher MAPI-Ordner. Sie finden das Tool auf der E2K CD unter dem Verzeichnis Support\Exchsync.

Replikation per NNTP

Was nicht vergessen werden darf, ist eine weitere Möglichkeit Ordner zu replizieren. Mit der passenden Einrichtung ist jeder Ordner per NNTP lesbar und beschreibbar. Und NNTP ist das Protokoll des Internets, um Inhalte in Diskussionsforen zu replizieren. Das gesamte USENET ist quasi eine riesige verteilte Struktur öffentlicher Ordner. Hier kann Exchange mitspielen, indem es in die Replikation eingebunden wird. 

Allerdings ist dieser Weg beschwerlich, weil der NNTP Connector nur über den Befehlt "NEWNEWS" oder eine explizite Push/Pull Konfiguration funktioniert. Weiterhin kennt NNTP natürlich nichts von den Inhalten, Formularen, Ansichten oder Rechten eines Ordnern. Diese werden daher nicht repliziert, bzw. die Formatinformation geht verloren. 

Es ist daher im Einzelfall zu prüfen, wie weit sich zwei Systeme über diesen Weg sinnvoll zusammenschalten lassen.

Replikation auf Arbeitsplätze

Zuletzt noch ein kleiner aber wichtiger Aspekt der Replikation. Wir können auch öffentliche Ordner in unserer Replikation auf dem Notebook einschließen. Dazu müssen wir nur die Ordner in unserer Favoriten ziehen, damit wir die Replikation einstellen können. Danach ist es möglich, auch unterwegs auf die Inhalte von Ordnern zuzugreifen. Sogar Änderungen unterwegs sind möglich. Sie werden bei der nächsten Verbindung wieder mit dem Server synchronisiert.

Diese Replikation stellt der Anwender komplett selbständig je OST-Datei ein. Auch mit mehreren Notebooks kommt hier keine Verwirrung auf. Jede OST-Datei speichert sich die Replikationseinstellungen. Diese sind nicht abhängig von dein Einstellungen auf den Servern. Der Anwender kann nicht nur die einzelnen Ordner auswählen, sondern je Ordner auch noch Filterkriterien (z.B.: die Größe) setzen Zusätzlich gibt es noch mehrere Profile (Outlook 2000), so dass ich die Verbindungen über ISDN, über VPN (mit DSL) oder Funktelefon unterschiedlich handhaben kann. 

Wer diese Optionen aber alle nutzt, sollte schon mehr als normaler Anwender sein, um die Vielfalt der Einstellungen zusammen zu bekommen.

In der Hinsicht sind wir alle gespannt, ab wann das "Local Web Storage System" mit Outlook 10 oder später verfügbar sein wird. Es scheint aber aktuell nicht so, dass dies 2001 noch was wird. Leider.

Die Favoriten unter Outlook haben noch einen weiteren Vorteil, der nicht verschwiegen werden soll. Wenn ihre Ordnerstruktur sehr umfangreich ist, und sie vor lauter Ordnern ihre interessanten Ordner nicht mehr sehen, dann sollten Sie die Favoriten nutzen. Nebenbei führt Outlook dabei auch mit, welche Nachrichten Sie schon gelesen haben und welche nicht, bzw. zeigt ihnen in den Favoriten den Ordner fett an, wenn Sich dort eine nicht gelesene Mail befindet.

Exchange 2000/2003/2007/2010 Replikation

Mit Exchange 2000 gibt es noch eine andere Replikation, die aber nichts mit Inhalten zu tun hat. Zwischen dem Active Directory und dem Exchange 5.5 Directory muss ein Abgleich der Verzeichnisdaten erfolgen. Dazu dient der Active Directory Connector (ADC). Diesen brauchen Sie nicht, wenn Sie "nur" Exchange 5.5. betreiben oder ein reines Exchange 2000 Netzwerk. Nur beim Mischbetrieb ist der ADC notwendig, damit beide Server wissen, welche Ordner per Mail erreichbar sein sollen. Nur dafür ist der ADC für öffentliche Ordner notwendig. Die Replikation der Ordnerinhalte als auch die Konfiguration ist unabhängig vom Active Directory und dem ADC.

Weitere Hinweise zur Replikation sind im White Paper "Exchange 2000 Internals: Public Folder Replication v2.0 (December 2000)" zu lesen. DIES IST EIN SEHR WICHTIGES DOKUMENT und sehr lesenswert im Bezug auf öffentliche Ordner, Rechte, Replikation etc. Ich dann diese Dokument jedem nur ans Herz legen auch wenn 130 Seiten technisches Englisch nicht leicht zu lesen sind. Leider ist die Webseite "EXINTERNALS" von Paul Bowden nicht mehr erreichbar. Alternativ könnt ihr das Dokument aktuell hier finden. Mittlerweile gibt es das White Paper "Working with the Exchange 2003 Store" unter http://www.Microsoft.com/downloads/details.aspx?familyid=9d438545-7697-4384-bd24-87e0cd3378cd&displaylang=en, welches weitere Details beschreibt.

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