Notruf mit Lync/OCS
Beachten Sie dazu auch LIS Location Information Service
Einen besonderen Augenmerk bei der Umsetzung von VoIP-Techniken ist die Lösung der "Notruffrage". Bei einer normalen TK-Anlage ist man einfach "Kabelgebunden" oder per DECT immer noch nahe genug am TK-Standort, so dass ein Notruf auf die 110 oder 112 bei der richtigen Notrufzentrale eingeht. Sobald aber die Verbindung zwischen dem Teilnehmer und dem Netzzugang über IP hergestellt wird, entfallen alle Begrenzungen, da eine IP-Verbindung dank Internet, Lync Edge Server und VPNs quasi überall auf der Welt sein kann.
Daher weist ja z.B. Skype explizit darauf hin, dass das System nicht für Notrufe geeignet ist.

Das ist aber eine Besonderheit von Skype, welches in der Regel keine Kenntnis über den Standort des Anrufers hat und daher gar keine Chance hat, die richtige Zentrale zu erreichen. Bei einer Implementierung von VoIP in einer Firma ist dies aber ein Problem, welches abgedeckt werden kann. Hierbei gibt es drei Faktoren
Mobilfunk
Bei allen nachfolgend aufgeführten Punkten sollten Sie berücksichtigen,
dass mittlerweile fast jeder Erwachsene mit einem unabhängigen
Mobiltelefon ausgestattet ist, welches auch die geografisch nächste
Notrufzentrale erreichen kann. Insofern stellen sich viele Firmen die
Frage nach dem Notruf nur noch eingeschränkt.
Notruf und interne Nummern
Ich erlebe immer wieder, dass in Firmen auch die Durchwahl 110, 112 etc.
intern an Personen vergeben wird. Das ist durchaus sinnvoll, wenn es
sich beim dem Teilnehmer z.B. um den internen
Werkschutz/Betriebsfeuerwehr handelt. Aber die meisten Anwender
"erwarten" etwas anderes. Besser ist sicher eine eigene Nummer für die
internen Alarmzentralen und die Weiterschaltung der bekannten Nummern
nach extern.
Es sollte NICHT zur Gewohnheit werden, dass man 110 oder 112 wie eine
"normale Nebenstelle" anruft.
Dennoch müssen sie sich natürlich Gedanken machen und ihre Anwender informieren.
- Verbindung zum TK-Netz
Die meisten Firmen werden immer noch per ISDN-Anschluss mit dem TK-Netz verbunden und Lync/OCS und jedes andere VoIP-System wird über ein entsprechendes Gateway hieran angebunden. Für die Notrufzentrale ist es damit egal, was sie intern verwenden, solange die Anrufe aus dem Standort auch über das Gateway zur richtigen Notrufzentrale geroutet werden können. - Standortfeste Endgeräte
Das ist für Anwender oder Endgeräte, die Standortfest sind auch sehr einfach. Dem Benutzer an dem Gerät wird ein Dialplan und eine "Phone Usage" zugewiesen, mit der er problemlos einen Notruf erreichen kann. - Stromversorgung
Was hilft ihnen die beste VoIP-Technik, wenn bei einem Stromausfall nichts mehr geht ?. In der klassischen TK-Welt ist es schon immer die Regel, das ein Telefon auch bei einem Stromausfall funktioniert. Bei der klassischen Analogen Technik ist dies nie ein Problem und selbst ein ISDN-Telefon kann ferngespeist werden. Ohne Strom fallen viele Komfortgeräte aber in einen "Telefon Only"-Betrieb, d.h. schalten Display, Freisprechen etc. ab, aber Sie können weiter telefonieren.
Bei VoIP geht das natürlich nur mit einer USV unter dem Tisch oder besser der USV am Switch, der per PoE die Telefone weiter speist. Für PC-gestützte Arbeitsplätze ist dies natürlich keine Lösung. - Mobile Anwender
Knifflig wird es nun, wenn Anwender nicht mehr an einen Standort oder ein Gebäude gebunden sind, sondern in anderen Niederlassungen sich anmelden oder sogar auf Reisen sind. Dann ist es natürlich nicht mehr zutreffend, wenn mich virtuell in Paderborn sitze und einen Notruf absetze, aber in Wirklichkeit ganz woanders bin. - Dieses Problem lässt sich technisch nur so lösen, dass der Client seine aktuelle Position mit übermittelt. Dazu muss diese aber vom Anwender oder über die IP-Adresse oder GPS o.ä. erst mal zuverlässig ermittelt werden. Es gib seit Lync sogar eine Funktion dafür "Location Information Service = LIS", bei der ein Administrator die Standorte in einer Datenbank festhält und Lync diese Daten mit an die Notrufzentrale übermittelt. Das ist wohl in den USA (911-Notruf) eine ganz wichtige Funktion. (Stichwort Röchelruf, d.h. ein Anrufer kann nicht mehr sprechen). In Europa kenne ich dies so nicht.
Insofern gibt es natürlich auch eine anderen 100%-Lösung: Sie definieren, dass die Lync-Struktur nicht für Notrufe zugelassen ist und blocken diese Nummern über Wählregeln; Normalisierungsregeln o.ä. Viele Freunde werden Sie sich also nicht damit machen, so dass die meisten Firmen einen Mittelweg wählen. Notrufe sind zwar erlaubt aber die Nutzer werden über die Einschränkungen aufgeklärt.
Informieren Sie ihre mobilen Anwender
Sie müssen ihre mobilen Anwender auf diese Besonderheit hinweisen, dass
Sie "ihre Rufnummer" und "ihren Dialplan" überall mit hinnehmen. d.h.
auch wenn ich nicht an meinem Heimatort bin, so ist eine 0+Rufnummer
immer ein Anschluss in meiner Heimat und nicht vor Ort an meinem
Standort. Das gilt um so mehr auch für Notrufe. Ein Notruf sollte man
daher am besten per Mobiltelefon absetzen. Zudem erlaubt dies den
Einsatzzentralen auch eine etwaige Ortung anhand der Funkzellen.
Weitere Links
- LIS Location Information Service
- Working with Locations
http://blogs.technet.com/b/jenstr/archive/2011/02/10/working-with-locations.aspx - Good news for users of location information in Lync
2010
http://blogs.technet.com/b/jenstr/archive/2011/01/21/good-news-for-users-of-location-information-in-lync-2010.aspx










