Das Leid mit der Quarantäne

Diese Seite widmet sich genauer den Details eine Quarantäne der meisten Filterprodukte und den Risiken. Wie sie auf Behandlung vielleicht schon gelesen haben, muss eine Filtersoftware Entscheidungen treffen und Nachrichten dann passieren lassen oder blockieren. Gerade beim Blockieren tun sich viele Produkte aber schwer, die Mail gleich beim Empfang zu blockieren. In den meisten Fällen ist die Mail nämlich schon komplett empfangen worden, so dass der Absender belegen kann, dass die Mail übertragen wurde.

Nur wenige Produkte behalten sich eine Ablehnung der Mail bis zum Schluß vor. (Siehe auch Behandlung und NoSpamProxy)  Wenn der Filter die Mail aufgrund erkannter Viren oder vermeintlichem Spam aber nicht zustellen will, dann gibt es nur noch zwei Optionen:

Aber auch das Speichern in einer Quarantäne ist nicht wirklich risikolos. Schauen wir uns die verschiedenen Aspekte einer Quarantäne an:

Risiken eine Quarantäne

Der Betrieb einer Quarantäne ist natürlich nicht risikolos und die Probleme sind schnell aufgezählt:

Sie sehen also, dass eine Quarantäne alles andere als hilfreich ist und lassen Sie sich nicht irritieren, dass viele Antispam-Produkte nicht ohne Quarantäne auskommen. Es gibt auch Lösungen ohne Quarantäne (z.B. NoSpamProxy), die unerwünschte Nachrichten gar aktiv ablehnen und damit dem Zusteller die Arbeit überlassen.

Übrigens ist auch der Ordner "Junk-E-Mail" seit Outlook 2003 als Quarantäne zu sehen, nur dass diese dann keine zentrale Quarantäne für alle Benutzer ist, sondern individuell pro Anwender existiert. Wenn Sie schon Outlook 2003 haben, dann sollten Sie sich selbst fragen: Wie oft kontrollieren Sie den Inhalt dieses Ordnerns ?

Entschärfung der Quarantäne

Aufgrund der Probleme einer Quarantäne muss eine Softwarelösung natürlich versuchen, den Schaden zu reduzieren und dazu gibt es auch wieder verschiedene Möglichkeiten, die ich kurz erläutern möchte.

Regelmäßige Kontrolle

Ein Administrator oder eine andere berechtigte Person kann regelmäßig die Quarantäne nach Irrtümern durchsuchen und die Nachrichten frei geben. Hierzu sollten Sie aber drei Faktoren berücksichtigen:

Aufgrund dieser Probleme, Risiken und Kosten versuchen verschiedene Produkte diese Aufgabe wieder an den Empfänger oder Absender abzugeben, so dass eine Quarantäne zwar im Betrieb ist, aber keine zentrale Person sich die Werbemails anschauen muss.

Quarantäne beim Empfänger

Ein möglicher Weg, die Arbeit der Quarantäne auf den Empfänger zu verlagern ist die komplette Verlagerung der Quarantäne auf den Client. Outlook 2003 und Exchange 2003 machen dies z.B.: durch den Ordner "Junk-E-Mail" in ihrem Postfach. Andere Produkte kennzeichnen die erkannte Mail z.B.: durch "SPAM" im Betreff, so dass Sie mit einer Regel solche Mails automatisch verschieben oder löschen können.

Damit ist die zentrale IT zwar entlastet aber eine Kosteneinsparung durch die Verhinderung von Spam findet natürlich nicht mehr in dem Maße statt, wie dies möglich und sinnvoll wäre. Statt dessen füllen sich weiter die Postfächer auf, die Nachrichten werden vom Client herunter geladen und verschoben. Wenn der Mailserver selbst keine Regeln unterstützt und daher die Verschiebung nur bei einem aktiven Outlook oder PC arbeitet, dann ist ein mobile Arbeiten (z.B. mit Exchange ActiveSync Server) faktisch nicht mehr möglich, das weiterhin auch jede Werbemail auf das Endgerät gemeldet wird. Da nützt es dem Anwender nicht viel, wenn die Mails dann ein "Spam" im Betreff haben.

Sammelmail an Empfänger

Einige Produkte umgehen dies damit, dass z.B.. einmal am Tag oder nach einer bestimmten Menge von gestoppten Nachrichten eine Sammelinformation an den Empfänger gesendet wird. Damit wird das Aufkommen merklich reduziert aber der Empfänger muss nun anhand dieser Sammelmail, in der meist nur der Absender und der Betreff der geblockten Nachrichten enthalten sind, die guten von den schlechten Mails trennen.

Auch dieser Weg ist daher eher steinig und nur ein Notbehelf und die Quarantäne irgendwie zu entschärfen.

Info an Absender

Besonders schlaue Systeme versuchen die Last auf den Absender abzuwälzen, indem sie eine Mail, die in eine Quarantäne abgelegt werden an den Absender zurück melden. Die Hersteller solcher Produkte hoffen nun darauf, dass der Absender ja bemüht sein wird, die Mail doch noch zum Empfänger zu übertragen und entsprechende Korrekturmaßnahmen ergreift.

Die Verfahren werden manchmal auch Sender Confirm genannt. Aus meiner Sicht würde ich dazu aber eher Störer, sagen,  da das Filtersystem ja nicht prüfen kann, ob der Absender auch gültig ist. Zwar erhält durch dieses Verfahren der gute Absender eine Möglichkeit, die Blockade zu erkennen aber auf der anderen Seite sendet ihr System an den angeblichen Absender jeder geblockten Mail eine solche Information. Spammer nutzen aber mit vorliebe fremde Adresse, so dass ihr System zum Störer wird. Insofern ist diese Methode sicher kein gangbarer Weg.

Besser ohne Quarantäne !

Wenn die Quarantäne aber so schlecht ist, dann darf dies nicht zu einer Abschaffung aller Filter führen. Es gibt zum Glück die Möglichkeit, auch ohne Quarantäne eine wirkungsvolle Filterung unerwünschter Inhalte zu erreichen. Das SMTP-Protokoll, welches bei der Übertragung von Nachrichten zur Anwendung kommt kann jederzeit die Übertragung einer Mail abbrechen. Dies ist auch erforderlich, da ja z.B.: die Speicherkapazität des Empfängers erschöpft sein könnte. Zudem gilt eine Mail erst dann als erfolgreich zur nächsten Station übertragen, wenn das empfangende Mailsystem die Übertragung quittiert hat. Die ist nicht mit einer "Zugestellt-Quittung" als Mail zu verwechseln.

Der Trick liegt nun einfach darin, die Nachrichten schon während des Empfangs zu analysieren und bei Nichtgefallen die Annahme zu verweigern. Die Mail wurde damit vom Empfänger nicht erfolgreich empfangen und der entfernte Mailserver kann die Mail nicht versenden. Dieser entfernte Server muss nun seinerseits eine Unzustellbarkeitsnachricht an den Absender generieren. Wenn es sich um den Mailserver ihres Kunden handelt, dann bekommt der Absender eine Bestätigung seines eigenen Systems. Spammer hingegen erstellen in der Regel keine Unzustellbarkeitsberichte sondern versuchen den nächsten Server. Ein Problem haben nur die Betreiber von offenen Relays, die dann erst recht zum Störer werden.

Das Ablehnen von unerwünschten Nachrichten ist übrigens nicht verboten, sondern sogar explizit vorgesehen, z.B.: bei ungültigen Empfängern. Nur wenige Produkte haben diese Logik aber auch auf den Inhalt einer Mail angewendet. Mein Aufruf an Sie lautet ganz einfach:

Warum nehmen Sie Mails überhaupt an, wenn Sie diese eh nicht zustellen wollen ?
Schaffen Sie die Quarantäne ab.

Zusammenfassung

Auch wenn viele Filterprogramme auf dem Markt heute eine Quarantäne verwenden, so passiert dies meist nur aus dem Grund, weil ein direktes Löschen der Mail nicht erlaubt ist aber eine frühe Ablehnung durch die Produkte selbst nicht möglich ist. Sie sollten also für sich überlegen, ob Sie ein Produkt einsetzen, welches ihnen die Arbeit und das Risiko eine Quarantäne aufbürdet, oder ob Sie besser ohne Quarantäne auskommen.

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