GET-ADChanges

Viele Programme und Prozesse ändern Einstellungen und Wert im Active Directory. Wer hier etwas genauer wissen will, was überhaupt passiert, muss irgendwie die Aktionen aktiv protokollieren oder per Auditing aufzeichnen. Dazu gibt es entsprechenden Hilfsmittel wie ADInsight und wenn LDAP unverschlüsselt ist auch NetMon und das AD-Auditing per Eventlog. Aber dies sind alles keine Werkzeuge für den Dauerbetrieb und nicht immer einfach auszuwerten.

Get-ADChanges als Demo
http://www.youtube.com/watch?v=OuKiJ11sPUM
Bitte maximieren Sie die Ausgabe, damit die Schrift gut lesbar ist.

Get-ADChanges als WMV Download (5MB)
get-adchanges.wmv

Programme wie der Active Directory Connector oder der Exchange RUS aber auch die DCs untereinander nutzen eine andere Technik, indem Sie einfach das AD auf Änderungen abfragen. Das kann z.B. über die USN erfolgen, wozu der Prozess keine besonderen Rechte (Domainuser mit Lesen reicht) benötigt. Eleganter geht dies über die Dirsync API, die Änderungen auf Feld-Ebene bereit stellen kann. Diese Funktion nutzt GET-ADChanges.

Funktionsweise

Dieses kleine Powershell-Skript ist mein Schweizer Messer um Änderungen im Active Directory zu protokollieren. Es nutzt dazu die Dirsync API, um über eine LDAP-Abfrage die Änderungen seit der letzten Abfrage zu erhalten. Dazu muss es am Ende der Abfrage einen "Cookie" abspeichern, um bei der nächsten Abfrage dort weitermachen zu können, wo die letzte Abfrage geendet hat.

In das Skript ist eine Logik eingebaut, die eine Vereinzelung von Feldänderung vornimmt, d.h. wenn an einem Objekt zwei Felder innerhalb des Abfrageintervalls geändert wurden, dann werden zwei einzelne Ausgaben generiert. Auch die Behandlung von "Member" in Gruppen habe ich schon durchgeführt. Einzig die Ausgabe von von "nicht Textfeldern" z.B. Mehrwertige Felder habe ich noch nicht codiert. Das ist aber in den meisten Fällen keine problematische Einschränkung. Ein Code kann die Felder problemlos danach selbst aus dem AD auslesen.

Einsatz

Exemplarisch zeige ich, wie sie Get-ADChanges einfach so einsetzen, um Änderungen in einer Domäne auf den Bildschirm ausgehen zu lassen. Die meisten Parameter sind selbsterklärend und mit sinnvollen Daten vorbelegt.

Sie können das Skript aber auch einfach ganz ohne Parameter aufrufen. Dann kommen die Defaults zu tragen, die folgendes bewirken:

Wer also "Stateful" arbeiten will, d.h. nach Skriptende den letzten Stand speichern, muss mit zusätzlichen Parametern arbeiten. Der Aufruf ohne Parameter dient zur visuellen Kontrolle von Änderungen, aber zeigt z.B. keine früheren Änderungen an.

Aufruf

Das Skript selbst benötigt keine weiteren Eingaben oder Voraussetzungen und einfach nur eine Powershell auf einem PC, welcher Mitglied eines Active Directory ist. Beispielhafte Aufrufe sind:

# Aufruf ohne Parameter überwacht Default Domain alle 3 Sekunden mit Ausgabe auf Bildschirm und CSV
get-adchanges.ps1

# Überwachung der Konfigurationpartition in eigenes Log mit Statusspeicherung
get-adchanges.ps1 -ldappath "LDAP://srv01/cn=configuration,dc=msxfaq,dc=local" -cookiefilename = ".\config.cookie" -csvfilename ".\config.csv"

# Sinnloser Aufruf. Once ohne Cookiefile und SkipOld als Default startet und beendet sich
get-adchanges.ps1 -once

Alle Änderungen werden so erst mal auf den Bildschirm geschrieben

Die meisten Leser werden Get-ADChanges als Diagnosewerkzeug einsetzen und daher das CSV-Protokoll und die Bildschirmausgabe nutzen. Sie können das Skript aber auch auf zwei Arten leistungsfähiger nutzen:

Die Parameterdefaults sind so gewählt, dass Get-ADChanges einfach nur die aktuelle Anmeldedomäne überwacht und alle Änderungen seit dem Start des Programms auf den Bildschirm ausgegeben werden. Frühere Änderungen werden übersprungen.

Parameter

Die verschiedenen Optionen des Aufrufs von Get-ADChanges werden deutlich, wenn Sie sich die Parameter und deren Funktion anschauen. Die Parameter bedeuten im Einzelnen:

Typ Parameter Default Bedeutung
[string] cookiefilename Kein Cookiefile Das Skript muss, wenn es beendet und später wieder aufgerufen wird, irgendwo den letzten Stand speichern. In der angegebenen Datei landet der "Cookie", der beim nächsten Aufruf wieder an den DC übergeben wird. Die vorherige Version wird als ".old" gespeichert. So kann ein Programm im Fehlerfall über "-redo" diese alte Datei wieder holen.
[string] ldappath Kein Default Wird kein Pfad zu einer Partition angegeben, dann nutzt das Skript die Default Domain Partition des angemeldeten Benutzers. Wer also die Konfiguration Partition überwachen will, muss diese angeben, z.B.: "LDAP://srv01/cn=Configuration,dc=msxfaq,dc=de"
[int] sleeptime 3 Sekunden Immer wenn das Skript eine Suche abgeschlossen und die Elemente ausgegeben hat, legt es eine "Pause" ein. Kürzere Pausen belasten das System mehr aber sie können schneller reagieren. Bedenken Sie aber, dass auch die DCs sich untereinander nicht "realtime" abgleichen.
[switch] once $false Wird der Schalter "-once" gesetzt, dann beendet sich das Skript nach einem Durchlauf. Beachten Sie, dass dies nur in Verbindung mit einem Cookie-File Sinn macht. Ansonsten gibt es keine Änderungen zu melden
[switch] mode skipold bzw. lastcookie (wenn Cookiefile angegeben

Bestimmt die Betriebsart:

  • lastcookie
    Nutze die zuletzt geschriebene Cookiedatei, wenn ein Cookiefile angegeben wurde
    Standard, wenn Cookiefile angegeben
  • skipold
    Ignoriere alle früheren Änderungen und schreibe nur die Änderungen seit dem Start heraus
    Standard, wenn kein Cookiefile angegeben
  • prevcookie
    Nutz die Backup-Cookiedatei, d.h. seit dem letzten Durchlauf erkannten Änderungen werden erneut gemeldet
  • restart
    Setze eventuell angegebene Cookiedaten und starte vom Anfang an
[switch] AddMemberOf $false Generiert zusätzliche Events für die Benutzer, wenn die Objekte bei einer Gruppe addiert werden. Kann leider nicht ermitteln, wenn eine Gruppe gelöscht wurde
[switch] nosave $false Mit dem Schalter "-nosave" wird der Cookie am Ende einer Bearbeitung nicht zurück geschrieben. Beim nächsten Aufruf werden also die zuletzt gefundenen Änderungen erneut zurück gegeben. Dies ist primär für Tests geeignet.
[switch] verbose $false Durch die Angabe von "-verbose" werden detailliertere Ausgaben während der Verarbeitung gemacht, die bei eier Fehlersuche helfen können.
[switch] noscreen $false Deaktiviert die zusätzliche Ausgabe auf den Bildschirm der gefundenen Änderungen. Sinnvoll, wenn die normale Ausgabe in die Pipeline nicht mit "| out-null" unterdrückt oder mit einem anderen Prozess weiter verarbeitet wird.
[switch] pipeline no

Steuert die Ausgabe der Daten an die Pipeline zur weiteren Verarbeitung

  • No
    Keine Ausgabe in die Pipeline
  • mini
    Gibt nicht das komplette Objekt sondern nur die "Identity" zurück. Damit eröffnen sich Möglichkeiten per Pipeline dann nachfolgende Commandlets (z.B. get-ADUser) anzusteuern
  • full
    Kompletter Datensatz
[switch] AddMoveSub $false Noch nicht implementiert !
Generiert zusätzliche Events für jedes Objekt unter einer OU, welcher verschoben wurde. Das bedeutet aber dass das Skript recursiv alle Unterobjekte auflistet und als "move" ausgibt..
[string] filterDN ".*"

erlaubt die Filterung der Ausgabe anhand eines Teilstrings des distinguishedname. Leider kann die Dirsync-API immer nur komplette Partitionen überwachen so dass ich nach dem Erkennen einen Filter eingebaut habe. Denkbar ist z.B.

  • .*\cn=Users,.*
    Bearbeitet nur Objekte in der Default-OU "user"
  • .*\ou=Benutzer,.*
    Bearbeitet nur Objekte in allen OUs, die "Benutzer" heißen
  • .*,cn=adm-.*$  (vereinfacht)
    Berücksichtigt nur Objekte, die mit einem "ADM-" im Namen beginnen.

Weitere Kombinationen sind natürlich möglich. Siehe auch RegEx

[string] csvfilename ".\changes" Eigentlich ist das Skript so angelegt, dass die Änderungen über die Pipeline an ein nachfolgendes Programm gegeben werden. Oft ist das der Fall aber zu Diagnosezwecken ist es doch wünschenswert ein "Changelog" zu haben. Diese Datei wird automatisch beschrieben. Setzten Sie den Parameter auf "$null", damit die Datei nicht angelegt wird.
An den Dateinamen wird das Jahr, Monat, Tag in der Form YYYYMMTT angehängt. (Vergleichbar zum IISlog)

Da Powershell-Skripte nicht wirklich "verschlüsselt" sind, können Sie entsprechende Änderungen leicht selbst vornehmen.

Ausgaben

Die Bildschirmausgaben sind natürlich nur eine Funktion der Powershell, welche die Pipeline am Ende auf die Konsole schreibt. Eine Weiterverarbeitung ist natürlich sehr einfach möglich.

... in die Pipeline

Das Übergebene Objekte hat folgende Eigenschaften

Property Typ Beispiel Bedeutung
Timestamp DateTime Donnerstag, 16. Juni 2011 05:45:34 Zeitstempel, wann die Aktion erkannt wurde. Dies ist nicht identisch mit dem Zeitpunkt der Änderung. Diese kann auf einem anderen DC schon früher erfolgt sein und durch AD-Replikation verzögert sein. Aber auch GET-ADChanges kann nicht "realtime" überwachen
objectguid ADS Collection {94 186 163 249 47 205 44 67 150 251 38 89 152 202 96 183}

Jedes Objekt im Active Directory hat eine eindeutige GUID, welche sich auch beim Verschieben zwischen Domains im gleichen Forest nicht ändern sollte. Ideal also um Objekte nachzuverfolgen.

Hinweis: Das Feld ist nicht gefüllt, wenn mit "AddMemberOf"-Events für die Mitglieder einer Gruppe generiert werden

Identity AD Property {CN=user1,OU=msxfaq,DC=E2010,DC=local} DistiguishedName aus dem Das ADPAth-Property der Suchanfrage. Die ist kein String !
action String Ein String aus folgender Sammlung:
Modify, Delete, CreateOrMove, MemberAdd, MemberDel, MemberError, Start, End

Zeigt ihnen die Art der Veränderung an:

  • Modify
    Feld wurde geändert
  • CreateOrMove
    Objekte wurde angelegt oder in die ZielOU verschoben
  • MemberAdd, MemberDel
    Sonderbehandlung des Multivalue-Felds "Member". Werden mehrere Benutzer addiert, dann werden pro Mitglied eigene Einträge generiert
  • MemberError
    MemberError bedeutet, dass ein nicht näher behandelter Fehler aufgetreten ist
  • MemberOfAdd, MemberOfDel
    Synthetische Events mit den Benutzern als Identity
  • Add
    Behandlung von "range=1-1" im Feldnamen
  • Del
    Behandlung von "range=0-0" im Feldnamen
  • Start, End
    Diese Einträge signalisieren, dass GET-ADChanges gestartet oder.
field String department Name des geändertes Feldes.
Achtung: Mehrwertige Felder können mit einem ";range=1-1" oder ";range=0-0" abgeschlossen werden um einzelne Änderungen zu melden. Für das Feld "member" bei Gruppen habe ich eine eigene Behandlung bereits eingebaut.
value Variable {test} neuer Wert des Felds. Kann "$null" sein, wenn das Feld geleert wurde aber auch Arrays enthalten. Ihr Programm sollte anhand des Feldnamens wissen, wie es mit den Inhalten umgehen muss.

Die Ausgaben sind "Objekte", d.h. per Pipeline können Sie die Ausgaben auch weiter verarbeiten. Das einfachste ist natürlich die Ausgabe in einer CSV-Datei

get-adchanges.ps1 | export-csv .\aenderungen.csv

... CSV-Datei

Get-ADChanges schreibt aber zusätzlich die Änderungen auch in eine Datei ".changes.csv", welche mit dem Parameter CSVFile auch abweichend spezifiziert oder mit $null sogar abgeschaltet werden kann. Allerdings handelt es sich bei dem Namen immer nur um ein Prefix. Das Skript addiert per Default immer noch das Jahr, den Monat und den Tag, so dass je Tag eine angelegt wird. So erreiche ich, dass die CSV-Datei nicht endlos groß wird.

Die CSV-Datei hat folgende Spalten, die im Header der CSV-Datei auch beschrieben sind

Die genauere Beschreibung der Inhalte finden Sie weiter oben bei der Ausgabe in die Pipeline. Der Inhalt einer solchen Datei ist entsprechend überschaubar:

Diese Datei ist aber wirklich eher wie ein IISLog als Protokoll zu sehen und kann natürlich mit einer Volltextsuche o.ä. bearbeitet werden. Für eine zeitnahe Ausführung von Aktionen sollte jedoch besser die Pipeline-Ausgabe ausgewertet werden. Aufgrund der begrenzen Ausgabemöglichkeiten enthält die Spalte "Value" nur als Text darstellbaren Daten, d.h. String, numerische Werte. Arrays und andere komplexe Konstruktionen werden nicht ausgegeben.

Ausgabe

Get-ADChanges ist ein Powershell-Skript, was natürlich in einer Powershell ausgeführt werden muss. Entsprechend "schmucklos" sind die normalen Ausgaben. Das ist auch nicht relevant, da die Daten sowieso in einer CSV-Datei und optional der Pipeline zur Weiterverarbeitung landen. Dennoch können Sie natürlich Get-ADChanges auch einfach interaktiv aufrufen. Allerdings sollten Sie dann die Option "-noscreen" addieren oder die Pipelineausgabe mit " | out-null" unterdrücken, damit die Daten nicht doppelt ausgegeben werden. Hier ein Beispiel einer einzelnen Änderung:

Sie sehen hier zum einen, dass das Feld "L" (Location) mit "NeuerOrt" gefüllt wurde. Die anderen Aktionen zeigen Änderungen an den Gruppenmitgliedschaften an. Per "-NoScreen" wurden die Bildschirmausgaben mit "-noscreen" unterdrückt und die Pipelineausgabe mit "Format-Table" zurecht geschnitten, um z.B. die GUID nicht zu benötigen.

Wenn Sie die Ausgaben der Pipeline weiter verarbeiten möchten, dann wird dies durch Angabe der "Option "-minipipeline" unterstützt. Hier mit Get-ADUser als verarbeitenden Commandlets.

Spielen Sie einfach etwas damit herum. Solange Sie die Ergebnisse nicht in einem "SET-*"-Commandlet verarbeiten, ist GET-ADChanges nur "readonly"

Einschränkungen

Zudem gibt es die Einschränkungen, dass z.B. nur direkte Änderungen erkannt werden. Wir ein Benutzer also in eine Gruppe aufgenommen, dann wird nur eine Änderung von "Member" an der Gruppe erkannt. Beim Benutzer ändert sich das Feld "MemberOf" nicht. Eine Aufzählung aller Besonderheiten würde aber den Rahmen dieses Artikels sprengen.

Download

Dieses Skript ist aktuell noch kein öffentlich verfügbarer Download. Ich habe gerade in den letzten Wochen vor Publizierung dieser Seite gemerkt, dass das Skript und vor allem die Schnittstellen (Parameter als auch Pipelineausgabe) noch zu oft geändert wurden. Diese Flexibilität hätte nicht nicht mehr, wenn das Skript "Public" ist und ich was ändern müsste.
Bitte haben Sie daher noch etwas Geduld, dass ich das Skript aktuell nur in Kundenprojekten einsetze und weiter entwickle.

Zudem plane ich, Get-ADChanges in ein größeres Projekt einzubinden und möchte mir daher alle Freiheiten behalten, den Code zu ändern, anzupassen etc.

Offen

Get-ADChanges hat einige Iterationen durchlaufen, bis es auf dem aktuellen Stand angekommen ist. Und eventuell werden zukünftige Weiterentwicklungen hier weitere Änderungen erfordern.

Es bleibt also noch das ein oder andere zu tun.

Weitere Links

Keywords:Powershell Dirsync LDAP Monitor